Chronik
Geschichte
Herlisberg taucht urkundlich erstmals im 12. Jahrhundert als Erlinsberg auf. Hesso, der
Stammvater der Linie auf der oberen Rinach erscheint 1210 urkundlich. Hessos Söhne
Ulrich I und Kuno erbauten die “obere Rinach” in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
1295 wird Herlisberg im Zinsrodel von Ritter Ulrich I von Rinach als Hergesberg genannt.
Etwas später lagen sich die Ritter Ulrich I und sein Bruder Kuno mit dem Stift in Münster
in den Haaren. Es ging um Übergriffe in den Waldungen bei Hergesberg und um den Weg der
von der oberen Rinach ins Dorf Münster führte. Das Wappen der Ritter von Rinach zeigt im
goldenen Felde einen steigenden roten Löwen mit blauem Kopf und roter Zunge. Dieses Wappen
wurde von der Gemeinde Herlisberg als Gemeindewappen übernommen. Die manesse’sche
Handschrift führt einen Minnesänger und Dichter Hesso von Rinach auf, welcher vermutlich
einer späteren Generation entsprang. Dieser Hesso wird dargestellt, wie er, ein
reichgekleideter Mann, vor einer Burg stehend eine Menge von Armen und Krüppeln,
die zum Teil auf Krücken herbeikommen, empfängt und sie mit Speisen und Gaben erquickt.
Diese Zeichnung wurde von der Post Herlisberg am 1. Juni 1986 als Werbedatumsstempel
übernommen.
Die Kapelle
1838 wurde die Kapelle erbaut. Sie ist Maria Opferung geweiht, was das Altarrelief sehr
schön darstellt. Im Sommer 1976 wurde die Kapelle renoviert. Dem umsichtigen
Kapellenverwalter Sepp Stöckli sen. gelang einerseits eine sehr ansprechende
Renovation als auch eine solide Finanzierung dieses Werkes. Einheimische sowie
Heimweh-Herlisberger trugen mit beachtlichen Spenden zur gelungenen Renovation bei.
Alle zwei Wochen, Mitt-wochabends, hält hier der Pfarrer von Römerswil eine hl. Messe.
Am 2. Sonntag im Oktober, nach dem Kilbigottesdienst in der Kapelle, bringt uns die
Herlisberger Kilbi beim Gemeindehaus für ein paar fröhliche Stunden zusammen.
Die Gemeinde
Die Gemeinde Herlisberg, mit im Moment 15 landwirtschaftlichen Betrieben, lässt
sich geografisch in vier Gebiete aufteilen: Das Waldhus, das Dorf, Oberrinach und
den Laufenberg.
Der Weiler Waldhus thront auf dem Erlosenberg und man geniesst von dort aus bei klarer
Sicht den Anblick eines unvergesslichen Panoramas. Vom Weiler Waldhaus gehört aber nur
der Hof von Siegfried Lischer zur Gemeinde Herlisberg. Die anderen Höfe und Häuser stehen
auf dem Gemeindegebiet von Gunzwil. Die Einwohner vom Waldhus sind aber trotzdem mit
Herlisberg verbunden. Sie werden im Herlisberger Telefonverzeichnis aufgeführt, erhalten
die Post von Herlisberg, leisten dort Feuerwehrdienst und die Kinder besuchen die
gemeinsame Schule Retschwil-Herlisberg.
Das Dorf
Das Dorf Herlisberg bildet zusammen mit dem Weiler Steinhus das Zentrum der Gemeinde.
Der Begriff “Dorf” wäre übertrieben, denn es gibt keinen eigentlichen Dorfkern. Wir
finden dort wie erwähnt die Kapelle, den Gasthof mit einer prächtig angelegten
Gartenwirtschaft und einem wunderschönen Spycher davor, das Mehrfamilienhaus der
Herlisberger Baugenossenschaft auf dem Gemeindeland, das Gemeindehaus und die Post.
Dazu natürlich einige stattliche Bauernhöfe.
Oberrinach
Oberrinach besteht aus den ursprünglichen Bauernhöfen sowie der Sägerei und der Käserei.
Zudem entstanden in neuerer Zeit die schön gelegenen Quartiere Seeblick und Sonnmatt.
Auf dem Gelände südlich der Sonnmatt findet alljährlich der mitunter sehr bekannte
Herlisberg-Schwinget statt. Nördlich der Siedlung Seeblick stossen wir auf die Ruine
der Eingangs erwähnten Edlen von Rinach.
Der Laufenberg und das Erlebnis Herlisberg
Der Laufenberg bestand ursprünglich aus 7 Bauernwesen. Der Existenzkampf der kleineren
und mittleren Landwirte tritt hier seit längerer Zeit zu Tage. In den letzten Jahren sind
hier zwei Betriebe aufgegeben worden. Die fünf restlichen Landwirte bewirtschaften ihre
Höfe mit der ihnen angeborenen Treue zur Scholle. Drei von Ihnen begegnet man aber täglich
auswärts, wo mit einem Zusatzverdienst die finanzielle Existenzgrundlage gesichert werden
muss. Diese drei Kleinlandwirte sind es denn auch, die zusammen mit dem Gemeinderat das
Projekt “Erlebnis Herlisberg” gestartet haben. Ein Projekt, wo es darum geht, einer breiten
Bevölkerung Landwirte, Landwirtschaft und Landschaft näher zu bringen. Den Gästen soll ein
erlebnisreicher, unvergesslicher Tag angeboten werden und dabei werden die selber produzierten
Güter direkt vermarktet.
Unsere Schule
Angrenzend an den Laufenberg in Richtung Retschwil treffen wir auf die 1906 und 1994
erbauten Schulhäuser von Retschwil. Die Herlisberger Schüler drücken dort während sechs
Jahren zusammen mit ihren Retschwiler Kamerädli die Schulbank. Der gemeinsame Genuss von
Bildung besteht seit 1808, seit 1906 an diesem Standort. Diese Situation erklärt wohl auch
die Verbundenheit der Bevölkerung der beiden Gemeinden. Diese Schule kennt noch keinen
Schulbusbetrieb. So haben die Kinder die Möglichkeit, auf Schritt und Tritt die stetig
wechselnde Natur zu erleben und persönliche Konflikte ohne Einmischung von Erwachsenen
auszutragen. Unsere langjährigen Lehrpersonen, Kurt Schüpfer und Markus Lang geniessen
bei der Herlisberger Bevölkerung ein hohes Ansehen. Seit 1997 unterrichtet auch Frau Lätsch
an unserer Schule.
Die IGSR
Im Zusammenhang mit unserer kleinen Schule hat sich 1983 die Interessengemeinschaft Ski
Rennen Herlisberg-Retschwil (IGSR) gebildet. Die IGSR, bestehend aus fast allen Herlisberger
und Retschwiler Einwohnern, hat in erster Linie zum Ziel, unsere Schuljugend in
verschiedenen Belangen zu fördern. Schul- oder Ferienlager werden von der IGSR bezahlt
oder mitfinanziert. Überdies stellt die IGSR der Schule seit 1991 einen Bus zur Verfügung.
Mit diesem Bus können die Lehrer den Turnunterricht in Römerswil, den Schwimmunterricht in
Menziken sowie Exkursionen und auswärtige Aktivitäten vom Schulzahnarzt bis zu
Theaterbesuchen und Aufführungen flexibler organisieren. Rund 130’000.- Franken haben
somit die allesamt ehrenamtlich arbeitenden IGSR Mitglieder in den letzten 14 Jahren
zugunsten unserer Jugend investiert.
Die Feuerwehr Herlisberg
1952 wurde die Herlisberger Feuerwehr gegründet. Der heutige Bestand beträgt rund
40 Eingeteilte. Alle Gebäude der Gemeinde sind mit Hydranten erschlossen. Nebst den
Aufgaben als Feuerwehr erfüllt diese im gesellschaftlichen Leben noch andere
Dienstleistungen. Zum Beispiel die Mithilfe an der Herlisberger 1. August-Feier,
welche jedes Jahr sehr gut besucht ist und aus unserem Verantstaltungskalender nicht
mehr wegzudenken ist.
Die Güterzusammenlegung
Am 21. Dezember 1962 war die Gründungsversammlung der Güterzusammenlegung. Die damals
geschätzten Gesamtkosten von 1 Million Franken beliefen sich schlussendlich
auf 3’974’185.00 Franken. Die durch die Grundeigentümer zu bezahlenden Restkosten betragen
Fr. 878’830.00, oder Fr. 3’161.00 pro Hektare. Im Jahre 1990 wurde der Restkostenverteiler
erarbeitet und aufgelegt. Dank gutem Willen und grösstenteils offener, ehrlicher Bereitschaft
zur Zusammenarbeit der Genossenschafter, konnte diese nicht leichte Aufgabe zu einem guten
Ende geführt werden. Auch die Gründung der Unterhaltsgenossenschaft und der
Unterhaltsperimeter konnten 1995 unter Dach und Fach gebracht werden. Damit ist ein Kapitel
abgeschlossen, das unserer Gemeinde trotz hoher Kosten und teilweise starker Belastung
mancher Beteiligter viele positive Auswirkungen zeitigt. Denken wir nur an die gute
Erschliessung aller Gemeindeteile und Einzelhöfe. Ebenso konnte auch eine gute Arrondierung
unserer Landwirtschaftsbetriebe erreicht werden. Die Laufenbergstrasse, von vielen
Auswärtigen als Panoramastrasse betitelt, ist das Paradestück dieser Güterzusammenlegung.
Rückblickend darf der vor mehr als 30 Jahren getroffene Entscheid, dieses Gemeinschaftswerk
in Angriff zu nehmen, sicher als mutige und weitsichtige Tat der damaligen Initianten
gewürdigt werden.
Pfarreien
Die Herlisberger Gläubigen teilen sich auf in vier Pfarreien: Das Waldhus nach Beromünster,
Herlisberg und Oberrinach nach Römerswil, der Laufenberg nach Hitzkirch und die Angehörigen
der reformierten Kirche nach Hochdorf.
Bürgerrechte – Bürgerpflichten
Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Herlisberg nehmen ihre Bürgerrechte und Pflichten
wahr. Die Gemeindeversammlungen sind jeweils sehr gut besucht. Rund die Hälfte der
Stimmberechtigten finden sich jeweils ein. An Abstimmungen und Wahlen glänzt Herlisberg
immer mit sehr hoher Stimmbeteiligung. Nicht selten haben wir die beste Beteiligung des
Kantons Luzern.
Die Herlisbergerinnen und Herlisberger im allgemeinen
Die Einwohnerinnen und Einwohner von Herlisberg räumen dem politischen Frieden und der
gegenseitigen Wertschätzung einen hohen Stellenwert ein. Das 1995 durchgeführte
Klausurwochenende der Gemeinde Herlisberg in Engelberg, wo 37 Personen teilnahmen,
das erwähnte Projekt “Erlebnis Herlisberg” und weitere Aktivitäten zeigen auf, dass
Herlisberg lebt, sich viel Positives ereignet und der Glaube an die Zukunft noch vorhanden
ist.
